Die Geschichte des Burgers

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Geschichte des Burgers
Wer hat den Burger erfunden? Erfahrt mehr über die Geschichte des Burgers

Die Geschichte des Burgers – Wer hat es erfunden? Die Hamburger!

Lange wurde angenommen, dass sich das „Ham“ im „Hamburger“ auf das englische Wort „ham“ für Schinken bezieht. Der Begriff „burger“ sei dann irgendwann hinzugekommen. Heute wissen Sprachforscher, dass der Hamburger noch nie etwas mit Schinken zu tun hatte, und dass dieses beliebte Fastfood tatsächlich seinen Namen der Stadt Hamburg zu verdanken hat.

Das fast ungewürzte Hacksteak ist im nordeuropäischen Raum beliebte Alltagskost. In Dänemark gehört es bis heute als „Hakkebøf“ auf alle Speisekarten und ist dort ein wichtiger Teil der Smørrebrød-Kultur. Auch in Norddeutschland und Hamburg gab es schon seit Jahrhunderten simple Fleischklopse, die einzig und alleine aus gehacktem Rindfleisch bestanden und kaum gewürzt wurden. In Kochbüchern aus dem 19. Jahrhundert sind sie als „Steak nach Hamburger Art“ aufgeführt.

Allerdings ist die Frage, wie das Hacksteak vom Teller in ein aufgeschnittenes Brötchen wanderte und so zum echten Hamburger wurde, nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich entstand die Idee jedoch im Hamburger Hafen. Auf den Schiffen, die einst die deutschen und nordischen Auswanderer von Hamburg über den Atlantik in die Neue Welt brachten, wurden Hacksteaks angeboten, die praktischerweise in Brötchen serviert wurden. Auch im Hafen selbst packten die Arbeiter gerne ihr Hacksteak ins Brot und nahmen es als Vesper mit zur Arbeit.

Erst praktisch, dann Kult

Die Auswanderer brachten demnach die Idee, Fleisch in Brot zu verpacken, von Hamburg in die Neue Welt mit. Wer dort aber erstmals wirklich Hamburger produzierte und sie als solche verkaufte, ist ein Punkt, über den sich Hamburger-Spezialisten heftig streiten können. Mehrere US-Städte behaupten deshalb, der Geburtsort des Hamburgers zu sein. Selbst Politiker mischen sich in die regelmäßig hochkommenden Streitereien ein.

So soll der Hamburger um 1890 zum ersten Mal in der texanischen Stadt Athens in einer Bar von Fletcher Davis angeboten worden sein. Allerdings verwendete Davis kein Brötchen, sondern Toastbrot.

Da Davis kein Brötchen verwendete, betrachtet sich die Stadt Tulsa in Oklahoma als Geburtsort. Ein gewisser Oscar Billy servierte dort das Hacksteak im gleichen Zeitraum nämlich in einem Brötchen, so wie er es daheim von seiner Frau gewohnt war. Der Gouverneur von Oklahoma ernannte Tulsa deshalb 1995 zur Geburtsstadt des Hamburgers.

Gegen die Behauptung, dass Oscar Billy diese Idee hatte, spricht allerdings die Tatsache, dass die älteste schriftliche Erwähnung bereits aus dem Jahr 1873 stammt. Das Delmonico Restaurant in New York bot ein „Steak nach Hamburger Art“ für 11 Cent auf seiner Speisekarte an.

Trotzdem gibt es noch weitere mögliche Orte, an denen der Hamburger das Licht der Welt erblickt haben könnte. Charlie Negrin, den alle nur „Hamburger Charlie“ nannten, weil er aus der Hansestadt stammte, verkaufte 1885 Brote mit Fleischklöpsen. Er bot sie Besuchern einer landwirtschaftlichen Messe in der Stadt Seymour in Wisconsin an. In Wisconsin hatten sich besonders viele deutsche Auswanderer niedergelassen, sie nahmen Charlies Angebot begeistert an, erinnerte das Hacksteak doch an die Heimat! In Wisconsin ist man felsenfest davon überzeugt, dass Charlie der Erfinder des Hamburgers ist. Die Stadt Seymour hat inzwischen sogar eine „Hall of Fame“ für ihren „Hamburger Charlie“ erbaut.

Eine ganz andere Geschichte wird aus dem Ort Hamburg bei New York berichtet. Angeblich soll der Hamburger genau aus diesem Ort stammen und mit der Hansestadt Hamburg demnach nichts zu tun haben. Zwei Brüder aus der Familie Menches verkauften Fleischklopse in Brötchen, und als Kunden fragten, wie die Dinger heißen, sagten sie kurzerhand: „Hamburger“. Schließlich standen sie mitten in Hamburg.

Seine heutige Form – Fleisch im Brötchen mit Zwiebeln, Tomaten und Käse – soll der Hamburger jedoch 1900 in New Haven in Connecticut erhalten haben, als der Imbissbudenbesitzer Louis Lassen alles zusammen in ein Sandwich verpackte. Tomatenketchup verwendete er allerdings nicht. Dieser ursprünglichste aller Hamburger, der eigentlich ein Cheeseburger war, wird bis heute in der immer noch existierenden Imbissbude „Louis‘ Lunch“ serviert.

All diese Geschichten zeigen vor allem eines: Dieses Gericht lag im späten 19. Jahrhundert voll im Trend. Wahrscheinlich hatten eine ganze Reihe von Menschen fast zeitgleich ähnliche Ideen. Der Hamburger, der eigentlich eine Notlösung für arme Schiffsreisend und für Arbeiter am Hafen war, wurde im jungen Amerika ein typisches Produkt einer hektischen Epoche.

Einmal über den großen Teich und zurück

In den USA wurde der Hamburger sehr schnell en vogue. Die Menschen waren ständig unterwegs, und sie liebten dieses Sandwich in der Mittagspause, das vor allem in den New Yorker Restaurants als „Hamburger Steak“ angeboten wurde. Damals galt der Hamburger als eine luxuriöse Speise. Der Preis war durchschnittlich doppelt so hoch wie für andere Mahlzeiten, und nur wohlhabendere Bürger konnten sich mittags einen Hamburger genehmigen.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in den USA klar, dass in den bevölkerungsdichten Städten Mahlzeiten schneller und kostengünstiger produziert werden mussten. Besonders die Zeit der „Großen Depression“ um 1929 forderte preisgünstige Lebensmittel, die sich jeder leisten konnte. Die Produktion wurde rationalisiert, Restaurants anders eingerichtet.

Walter Anderson in Witchita hatte bereits während des Ersten Weltkriegs eine neue Garmethode mit Grillplatten und Spachteln entwickelt, die sehr schnell sehr beliebt wurde. Für einen Burger brauchte man nun keinen Herd und keine Pfanne mehr. Anderson fügte auch Zwiebeln zu seinem Hamburger, die er gleichzeitig mit auf der Platte grillte. Er war damit so erfolgreich, dass er aus seinem 1921 gegründeten Restaurant „White Castle“ eine ganze Kette aufbaute. „White Castle“ wurde die erste Burger-Kette der Welt.

Parallel dazu explodierte die Rinderzucht in den USA, und die Preise für den einst so kostspieligen Hamburger sanken. In den 30er Jahren konnte er für 5 Cent in New York angeboten werden. 5 Cent konnten viele Menschen ausgeben, und der Hamburger wurde aus einer Zwangslage heraus zum Modephänomen. Die Zutaten haben sich seit den 30er Jahren kaum verändert: Ins Brötchen kommen Fleisch, Ketchup, Salat, Zwiebelring und Gurke. Mit einer Scheibe Käse wird das Ganze dann zum Cheeseburger.

Nach Europa kamen die Hamburger allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit McDonalds. Patrick McDonald und seine beiden Söhne Richard und Maurice hatten 1937 das erste Restaurant eröffnet. Nach 1940 war in den USA das große, gelbe M überall entlang der legendären Straße „Route 66“ zu sehen. Seit den 50er Jahren expandierte das Franchise-Unternehmen dann weltweit. 1971 eröffnete McDonalds seine erste deutsche Filiale in München. Andere Burger-Ketten zogen nach. Alleine McDonalds besitzt heute ca. 1400 Burger-Läden in Deutschland.

Der Burger – wie geht es weiter?

Nachdem der Siegeszug des Burgers kaum mehr zu stoppen schien, setzte mit der Jahrtausendwende eine Umorientierung bei den Verbrauchern ein. Der hohe Fettgehalt der Gerichte wurde in Verbindung mit der zunehmen Anzahl an Fettsüchtigen gebracht. Gleichzeitig machten immer wieder die unterschiedlichsten Fleischskandale Schlagzeilen. Auch der Tierschutz wurde immer aktiver. Immer mehr Menschen essen deshalb heute bewusster und lehnen fabrikfabrizierte Burger prinzipiell ab. Der Fastfood-Trend geht zu Salaten, leichten Gerichten und Öko-Mahlzeiten, bei denen Herkunft und Qualität der Rohwaren geprüft sind.

Da nicht nur die großen Ketten, sondern auch unzählige kleine Imbissbuden Hamburger anbieten, kann die Zahl der gegessenen Hamburger nur erahnt werden. Allerdings verbucht McDonalds wie alle anderen Ketten Umsatzrückgänge in Deutschland, während der Umsatz in den USA weiter ansteigt. Auch der Rindfleisch-Verbrauch in Deutschland ist leicht von 13,1 Kilo pro Jahr (2011) auf 12,9 Kilo (2014) gesunken.

Laut einer Trend-Analyse der Wirtschaftszeitschrift „Forbes“ wird der Hamburger auch in Zukunft beliebt sein. Der Trend geht jedoch zu asiatisch gewürzten Burgern und zu Fleisch aus ökologischen Zuchtanlagen. Der Burger muss kein Billigprodukt mehr sein, er kann durchaus mehr kosten, muss sich aber den Ansprüchen der Kunden anpassen. Außerdem wird der Anteil der Burger, die wirklich aus Rindfleisch bestehen, in Zukunft sinken. Der Burger wird weiterleben – aber anders schmecken und er wird vermehrt vegetarisch oder vegan sein.